Gender Mainstreaming in der Sprache

Im deutschsprachigen Raum erhitzt kaum ein Thema die Gemüter von FrauenrechtlerInnen, deren GegnerInnen, SprachwissenschaftlerInnen und natürlich auch RedakteurInnen mehr, als gendergerechte Sprache. Während in Deutschland und Österreich bereits seit einigen Jahren über das Für und Wider von geschlechtergerechter Formulierungen diskutiert wird und in Österreich sogar die Bundeshymne umgeändert wurde, war die englischsprachige Genderwelt in den letzten Jahren noch in Ordnung.

Doch nun geht es auch in den USA ans Eingemächte: Beinahe 50% der amerikanischen Bundesstaaten beraten mittlerweile über Gesetzesänderungen (in Washington gibt es gar einen Gesetzesentwurf mit über 500 Seiten). Davon dass die in der amerikanischen Nationalhymne gepriesenen „freemen“, die sich in der vierten Strophe gegen die Zerstörung durch den Krieg stellen, ist man in den USA allerdings noch weit entfernt. Geschlechtsneutralität ist wichtig, hört aber offenbar bei der geliebten Fahne auf.

Länderspezifische Unterschiede

Gender Mainstreaming

Wo sich der deutschsprachige Raum und zusehends auch der amerikanische Raum uneins über eine adäquate Formulierung geschlechterspezifischer Sprache sind, wird in anderen Ländern der Welt kein Aufhebens darum gemacht, irgendwelche Änderungen in Betracht zu ziehen. In Spanien etwa regiert noch immer die Patriarchalität, und sogar das wichtigste Aufsichtsorgan für die spanische Sprache (Real Academia) erkennt keine Verweiblichung der Sprache an.

Wie üblich ist der Norden Europas hier etwas liberaler, so wird in Schweden mittlerweile sogar schon darüber debattiert, ob es nicht sinnvoll wäre, ein geschlechtsneutrales Personalpronomen, ähnlich dem englischen „it“ zu kreieren. Und sogar in Frankreich, dem Land der Liebe, soll dem vermeintlich schwächeren Geschlecht mehr Bedeutung in der Sprache zukommen als bisher.

Große Bedeutung für fachgerechte Übersetzungen

Aus all diesen Überlegungen und Diskussionen ergibt sich aber auch für die Übersetzungsbranche ein wichtiger Punkt: Wann soll wie wofür gegendert werden? Nur professionell ausgebildete Übersetzer, die ihre Muttersprache perfekt kennen und auch die aktuellen Entwicklungen der Sprache kennen, können Texte fachgerecht übersetzen.

Falsche oder unübliche Anpassungen oder in anderen Fällen gar das Weglassen einer geschlechtsneutralen Sprache können die Qualität und den Erfolg einer Übersetzung mindern.

Dieser Beitrag soll als Start für eine Reihe an Abhandlungen über gendergerechte Formulierungen in unterschiedlichen Ländern dienen. In den nächsten Wochen werden regelmäßig Beiträge über die Bedeutung einer genderneutralen Sprache in den USA und anderen wichtigen Ländern folgen.